Körper und Seele verstehen | Psychosomatik & Körpersignale

Merkst du, wenn dein Körper dir etwas sagen möchte?

Unser Körper versucht oft schon eine ganze Weile, sich verständlich zu machen, bevor wir verstehen, dass er uns etwas sagen möchte. Manchmal sind seine Signale schnell zu durchschauen, manchmal braucht es Zeit und ein wenig Detektivarbeit, um herauszufinden, was hinter ihnen stecken könnte.

„Das schlägt mir auf den Magen.“
„Das schnürt mir die Kehle zu.“
„Mein Herz tut weh.“

Schon in unserer Sprache zeigt sich, wie eng Körper und Seele miteinander verbunden sind.

Aber nur weil dieses alte Wissen in unsere Sprache gesickert ist, heißt das noch lange nicht, dass wir die Botschaften unseres Körpers auch bemerken – oder ihnen folgen.

Welche Botschaften deines Körpers kennst du?

Wenn deine Augen schwer werden, gehst du vielleicht früher ins Bett. Wenn dein Magen knurrt, suchst du dir etwas zu essen.

Aber was machst du, wenn du Wut im Bauch hast? Wenn du etwas „zum Kotzen“ findest? Wenn dir etwas im Nacken sitzt, dein Rücken sich überlastet anfühlt oder du das Gefühl hast, den Boden unter den Füßen zu verlieren?

Wohin mit der Botschaft?

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Menschen schon lange Zeit Signale ihres Körpers wahrnehmen und sich dennoch schwertun, sie einzuordnen. 

Zum 'Einordnen' gehört es natürlich dazu, körperliche Beschwerden medizinisch abzuklären. Gleichzeitig kann es aber sinnvoll sein, auch seelische Zusammenhänge in den Blick zu nehmen. 
In unserer westlichen Welt haben wir uns sehr daran gewöhnt, Körper und Seele getrennt voneinander zu betrachten. Dabei sind sie Teil eines Ganzen und beeinflussen sich fortwährend gegenseitig. Vielleicht dürfen wir wieder mehr lernen, uns auch auf diese Weise wahrzunehmen.

Die Psychosomatik ist ein Bereich, in dem genau diese Zusammenhänge besonders in den Blick genommen werden. Hier zeigt sich, wie eng körperliches Erleben, Gefühle und seelische Prozesse miteinander verbunden sein können.
Manchmal lässt sich die Botschaft hinter einem Symptom relativ leicht erkennen. Aber es ist nicht so einfach, einen Weg zu finden, mit der Botschaft umzugehen. Beispielsweise die Wut adäquat zum Ausdruck zu bringen. 
Manchmal ist aber wahre Detektivarbeit nötig, um herauszufinden, was hinter einem Symptom steckt. Dabei können zum Beispiel folgende Fragen helfen:

Wann ist das Symptom zum ersten Mal aufgetreten?
Wann wird es stärker?
Wann wird es schwächer?
Und welche Gefühlsqualität verbinde ich damit?

Und dann kann plötzlich ein Moment kommen, in dem etwas aufscheint:

Der Chef steht mit seiner Erwartungshaltung neben mir – und genau jetzt merke ich: Da schießt mir etwas in den Kopf. Das fühlt sich wie der Anfang eines Migräneanfalls an.

Das bedeutet noch nicht, dass wir damit die Ursache gefunden haben. Aber vielleicht haben wir eine Spur entdeckt, der es sich lohnt, weiter zu folgen.

Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte

Mich persönlich haben Bücher wie Ruediger Dahlkes Krankheit als Weg dazu angeregt, körperliche Symptome auch als Anlass zur Selbstreflexion zu betrachten. Gleichzeitig habe ich immer wieder festgestellt, dass es - um ein psychosomatisches Symptom wirklich zu verstehen - oft ein sehr individuelles Hinspüren in die Details benötigt. Denn jeder Mensch ist einzigartig. Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und seinen eigenen Umgang damit entwickelt.

Wertschätzung ist immer die Basis

Mir ist dabei etwas besonders wichtig: Wir sollten uns nicht dafür ablehnen, wenn sich Belastungen auch körperlich ausdrücken. Für mich hat unser Körper-Geist-Seele-System mit den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, immer versucht, einen möglichst guten Weg zu finden.

Und manchmal kommt ein Zeitpunkt, an dem sich etwas in uns aufrichtet und nach Veränderung sucht.

Dann kann es hilfreich sein, sich Begleitung zu suchen. Um genauer hinzuspüren. Zusammenhänge zu entdecken. Sich selbst ein Stück besser kennenzulernen und vielleicht neue Möglichkeiten im Umgang mit dem zu entwickeln, was uns belastet.

Vielleicht ganz im Sinne des alten Satzes vom Tempel des Apollon in Delphi:

„Erkenne dich selbst.“

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